Flecktarn Erbsensuppe – Ende einer Ära steht bevor!

Er hat seine Stärken und Schwächen. Er ist eine Ikone – und doch zu speziell für die zivile Mode. Er verbindet Generationen von Soldatinnen und Soldaten. Doch jetzt soll bald Schluss sein.


Der Fünf-Farben-Tarndruck der Bundeswehr soll ab 2028/29 aus der Truppe gehen! Dies berichten Fachjournalisten dieser Tage in verschiedenen Medienportalen und berufen sich dabei auf Quellen in der Bundeswehr und in der Beschaffung. Ob auch die Drei-Farben-Variante geht, steht nicht in den Artikeln, ist aber stark anzunehmen. Folgen soll der Multitarn, der auf ein ähnliches Design zurückgreift und aktuell von Spezialkräften genutzt wird.

5Farb und Multitarn zum TdBw in Delitzsch

Laut diesen Berichten soll es den Spezialkräften damit ermöglicht werden, in der Truppe „aufzugehen“. Man will zudem universeller werden – was im Einzelfall auch schlechter bedeuten kann. Dafür passe Multitarn zu neueren Szenarien, ist aus der Presse zu entnehmen.

Der „Flecktarn B“, wie das aktuelle Muster bei der Erprobung Mitte/Ende der 1970er-Jahre hieß, war das erste wirklich computergestützte Tarnmuster. Anfangs etwas zu grau und rostrot auf der Feldbluse, zu dunkel auf dem Parka und zu undefiniert bei Hosen und Ausrüstung, erreichte der Druck Mitte der 2000er-Jahre seinen Zenit. Mit neuer TL (innen hellgrün) kamen auch bessere Materialien, Farben und Eigenschaften hinzu. Auch das neue Muster übernimmt die Stärken: kein Richtungsverlauf, Kontrast und gleichzeitig weiche Farbkombination, Macro-, Midi- und ein wenig Microelemente im Fleckmuster.

Man folgt damit dem über 15-jährigen Trend des „Einheitsbreis“. Der Flecktarn hatte Schwächen durch ein zu dunkles Erscheinen im Wald bei entsprechendem Lichteinfall. Grund war meines Erachtens ein zu düsteres Grün. Dennoch ist er, besonders in der derzeitigen Variante, eines der technisch besten Muster der letzten Jahrzehnte. Der Multitarn folgt der Technik, allerdings mit den typischen Farben anderer Multitarnmuster wie MultiCam, OCP Scorpion, MTP und weiteren „eierlegenden Wollmilchsäuen“.

Schade nur, dass gerade in den letzten Jahren massiv in die persönliche Ausrüstung investiert wurde. Diese relativ neuen Einsatzbekleidungen in Fünf-Farb- bzw. Drei-Farb-Tarnung werden dann wohl nicht ihren gesamten Lebenszyklus vollenden.

Hier 5Farb/3Farb Kombination – manchmal zweckmäßig.

Grundsätzlich sind hellere Muster in der heutigen Einsatzwirklichkeit besser. Aber wirklich universelle Muster – wenn es sie denn gibt –, die in urbanen, bewaldeten und ariden Räumen gleich gut bzw. gleich schlecht tarnen sollen, benötigen eine sehr aufwendige Struktur, um mit der Umgebung, besonders wenn diese farblich anders dominiert ist, zu verschmelzen. Das bieten die bisher offiziell eingeführten Multitarnstoffe jedoch kaum, und – so lautet wohl die Aussage aus den Kreisen – sie sollen es auch nicht.

Hier ist ein Hundegesicht versteckt! (SOF Wüste, 5Farb, 3Farb v.l.n.r)

Noch bleibt uns etwas Zeit für die Abschiedstour. Genug, um weiter die „Paprika“, das „Kreuz“ und den kleinen „Hund“ (bekannte Flecken des Musters) im Flecktarn zu suchen. Vielleicht sieht man diese auch im Neuen wieder.

DH/TS